
Das Weltraumlabor Columbus

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Aus dem All für Alle
Ob Skihandschuhe oder “Space-frame” –
Immer mehr Unternehmen forschen auf der Raumstation
Wenn Skispringer Sven Hannawald abhebt, hat er vielleicht kalte Füße,
aber bestimmt keine kalten Hände. Seine Handschuhe, genau wie die unzähliger
anderer Ski-Fahrer, wurden anfangs für die Raumfahrt entwickelt. Und da
müssen sie einem Temperatur-Unterschied von -250° bis +250° standhalten.
Diese und viele weitere Errungenschaften, die für uns mittlerweile selbstverständlich
sind, wie z.B. Rauchdetektoren oder kratzsichere Brillengläser, stammen
ursprünglich aus der Raumfahrt-Forschung.
Auf der Internationalen Raumstation (ISS) führt die Besatzung seit Oktober
2002 Experimente in verschiedenen Bereichen durch. Internationale Firmen, wie
zum Beispiel Audi und Airbus, investieren viel Geld in die Forschung unter Schwerelosigkeit.
Auf der ISS mieten sie Experimentier-Schränke, so genannte Racks, um neue
Materialien zu entwickeln oder bestehende zu verbessern. So hat Airbus für
sein neues Flugzeug-Modell A 380 eine spezielle Legierung entwickelt, die der
Aufhängung der Tragflächen genügend Elastizität und gleichzeitig
Stabilität gibt, um ein Flugzeug dieser Größenordnung möglichst
sicher und Treibstoff sparend betreiben zu können. Die Eigenschaften dieser
Verbindung wurden im Weltraum erforscht, weil sie unter Einfluss der Schwerkraft
nicht in dieser Qualität hergestellt werden kann. Die Automobil-Industrie
verwendete diese Erkenntnisse ebenfalls. Im Audi A8 wurde diese Legierung als
Grundlage für die so genannten Druckguss-Knotenpunkte verwendet. Diese
Entwicklung erhöht die Sicherheit bei einem Unfall, denn die Fahrgastzelle
wird zusätzlich gesichert. Audi-Ingenieure nennen dieses Konzept „Space-frame“.
Außerdem führen die Astronauten auf der ISS Tests mit Flüssigkeiten
durch. In der Schwerelosigkeit vermischen sich etwa Wasser und Öl problemlos,
auf der Erde stoßen sie sich ab. Die Ergebnisse sollen helfen, Ölteppiche
auf der Erde effektiver zu bekämpfen.
Ein anderer Sektor der industriellen Nutzung des Weltraumes ist die Suche nach
neuen medizinischen Erkenntnissen. So kann man z.B. Eiweiße (Proteine)
züchten, die um ein Vielfaches größer sind als die, die unter
Einfluss der Schwerkraft entstehen. Diese „Riesen-Proteine“ sind
unter dem Mikroskop gut zu erkennen. Darum können die Forscher den genauen
Aufbau und eventuelle Deformationen der Proteine dokumentieren. Mediziner erhoffen
sich dadurch neue Behandlungsmöglichkeiten für Krankheiten. So wurden
zum Beispiel weitere Erkenntnisse in der Aids-Forschung gewonnen. Auf der Erde
wachsen die gleichen Proteine aufgrund der Erdanziehung unregelmäßig.
Deshalb kann man ihre Struktur nur ungenau bestimmen. Folglich ist man darauf
angewiesen, das so genannte „Trial and Error“-Verfahren anzuwenden.
Das heißt, dass Versuchsreihen durchgeführt werden, die oft mehr
auf Schätzungen als auf Erkenntnissen der Medizin beruhen. Die Folge: auf
der Erde entwickelte Wirkstoffe sind ungenauer und in der Regel nicht ohne Nebenwirkungen.
Zusätzliche Forschung wird auf dem Gebiet der Osteoporose (Knochenschwund)
betrieben. Dafür bieten sich die Astronauten als „Versuchs-Kaninchen“
geradezu an. In der Schwerelosigkeit bauen sich, trotz zweistündigem Training
am Tag, die Muskeln und das Calcium in den Knochen der Raumfahrer langsam ab.
Dadurch entsteht Osteoporose. Am Beispiel der Astronauten haben Mediziner festgestellt,
dass Osteoporose-Patienten sich nicht etwa ins Bett legen, sondern im Gegensatz
Sport treiben sollten.
Die Elektronik ist das dritte Gebiet, auf dem im Weltraum Forschung betrieben
wird. Genau wie Proteine können Forscher Kristalle in der Schwerelosigkeit
wesentlich größer und auch reiner züchten. Aus der Untersuchung
dieser Kristalle gewinnt man Erkenntnisse, die dann im Bereich der Computertechnik
eingesetzt werden können.
Außerdem führt die Besatzung biologische Experimente auf der ISS
durch. Das Columbus-Modul ist dafür mit speziellen Racks ausgestattet,
in denen das Verhalten von Pflanzen und wirbellosen Tieren untersucht wird:
Woran orientiert sich eine Pflanze in ihrem Wachstum ohne Erdanziehung? Wie
„navigiert“ eine Fliege unter diesen Bedingungen?
Im Moment betreiben die Astronauten jedoch nur Grundlagenforschung im All. Das
heißt, dass Erkenntnisse aus Experimenten in der Schwerelosigkeit dokumentiert
und dann in der Produktion auf der Erde eingesetzt werden. Grundlagenforschung
wird entweder mit öffentlichen Geldern finanziert, wobei die Ergebnisse
dann allgemein genutzt werden können, oder von einzelnen Firmen in Auftrag
gegeben, die dann alleinigen Anspruch auf die Nutzung der Ergebnisse haben.
Produziert wird auf der Erde, nicht im Weltraum, da jedes Kilo, das in den Weltraum
transportiert wird, 20.000$ kostet. Eine Massenproduktion auf der ISS ist somit
in naher Zukunft ausgeschlossen.
Julien Wilkens und Franziska Roscher
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| Astronaut Michael L. Gernhardt. Foto: NASA |
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