
Das Weltraumlabor Columbus

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Al(l)ternative Werbung
Was haben russische Kosmonauten und deutsche Klebestifte gemeinsam? Beide schweben
rund 400 km über der Erdoberfläche und flimmern durchs amerikanische
Fernsehen.
Egal, ob ein Astronaut dort die Vorzüge eines "space certified"
Klebestifts anpreißt oder sich an der ersten weltraumtauglichen Pizza
versucht: Immer mehr Firmen vermarkten ihre Produkte durch Werbung im Weltall
. Und so kommt es, dass ein russischer Kosmonaut auf der internationalen Raumstation
ein amerikanisches Produkt in den sprichwörtlichen Himmel lobt.
Nachdem Autofirmen selbst den verlassensten Canyon bezwungen und Punica die
Wüste zu Werbezwecken erobert hat, bleibt kaum ein Fleck auf dieser Erde,
der noch nicht zur Kulisse für einen Werbespot geworden ist.
Doch seit die russische Weltraumbehörde Rosaviakosmos mit den Nachteilen
des Kapitalismus (kein Geld) zu kämpfen hat, müssen Kosmonauten auch
ihre schauspielerischen Leistungen unter Beweis stellen. Das verschafft den
Kosmonauten ein kleines Zusatzeinkommen und bessert der Weltraumbehörde
die Portokasse auf - denn die Raumfahrt ist ein teures Geschäft. Allein
das europäische Weltraumlabor Columbus kostet 715 Millionen Euro. Trotzdem
sieht man in der westlichen Welt noch von Weltraum-Werbespots ab und beschränkt
sich auf die Vermarktung von "weltraumgeprüften" Produkten oder
auf Grußbotschaften von der Raumstation. So starten russische Raketen
inzwischen mit Firmenlogos auf der Spitze, und selbst ganze Missionen können
inzwischen von Unternehmen gesponsert werden.
Im Jahr 2000 schickte die deutsche Post sogar 2000 Briefe auf eine Umlaufbahn
(endlich eine Antwort auf die Frage, wo unsere Briefe abgeblieben sind).
Auch Pritt, Pizza-Hut, Radio Shack und viele weitere Firmen schickten ihre Produkte
ins All. Vorher werden diese natürlich in den Laboren der EADS auf ihre
Weltraumtauglichkeit überprüft - Haarspray-Spots aus der ISS werden
uns darum wohl vorenthalten bleiben.
Auch schwere Gegenstände sind für das so genannte "Product Placement"
auf der Station wegen der hohen Transportkosten von etwa 20 000 € pro Kilo
weniger geeignet.
Die meisten Produkte werben mit ihrer Weltraumtauglichkeit aber aus einem ganz
anderen Grund: Sie basieren auf Entwicklungen, die einst für die Raumfahrt
konzipiert worden sind -
von Babynahrung bis zum Thermohandschuh.
Es macht keinen Unterschied, ob ein Produkt erst ins All geschossen wird, um
dort seine Tauglichkeit zu beweisen, oder ob es wirklich für den Einsatz
im All entwickelt wurde - "spacige" Werbung kommt immer beim Kunden
an. Viele Firmen erhoffen sich dadurch, ihren Produkten ein besonderes Image
zu verschaffen - auch wenn es sich oftmals nur um Alltagsgegenstände handelt.
Doch Werbung aus der Schwerelosigkeit verschafft fast jedem Produkt ein modernes,
innovatives Flair. Kleber klebt vielleicht nicht unbedingt besser, nur weil
er im Weltraum getestet wurde, doch so lange die Kunden auf die "space-prooved"-Produkte
ansprechen, werden auch andere Firmen in Weltraumwerbung investieren. Das erhofft
sich auch Claudia Kessler von der Beos GmbH, die sich auf Marketing fürs
All spezialisiert hat und deren Firma vom kleinen Logo bis zur groß angelegten
Werbeaktion alle Marketingmöglichkeiten abdeckt.
Übrigens sprechen nicht nur technikbegeisterte Männer auf diese Art
von Werbung an: Auch "Zen", ein im Weltall entwickeltes Parfum, fand
auf der Erde begeisterte (weibliche) Abnehmer.
Laura Zagarinskas, Michael Brächer und Nicole Bäcker
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| Astronaut Jerry L. Ross. Foto: NASA |
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| Astronaut Lee M. E. Morin. Foto: NASA |
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