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Das Kraftwerk im Weltall
Wie ein Strahl den Strom zur Erde bringt
Es ist allgemein bekannt, dass unsere fossilen Brennstoffe langsam zur Neige
gehen. Dennoch hängt die Versorgung noch immer zu mehr als 75 Prozent von
ihnen ab. Und der Energiebedarf wächst weiter. Allein in den nächsten
20 Jahren wird unser Verbrauch so sehr zunehmen, dass wir 3000 neue Atomkraftwerke
zu je 1000 Megawatt Leistung bräuchten.
Ein ehrgeiziges Konzept der EADS (European Aeronautics, Defence and Space Company)
will das ändern. Ihre Form der Energie kommt nicht von der Erde.
Grundlage dieses Konzepts ist die Solarenergie - an sich nichts Neues. Doch
die Kollektoren der EADS sollen die Sonne direkt anzapfen. Und zwar vom Orbit
aus, ohne Behinderungen durch die Atmosphäre oder die Erddrehung, so dass
sie rund um die Uhr beschienen werden.
Wie genau das aussehen soll, das haben wir Dr. Stein von der EADS SPACE Transportation
in Bremen gefragt:
LN: Woher kommt überhaupt die Idee, Energie aus dem Weltraum zu beschaffen?
Dr. Stein: Das Konzept liegt in der Energiekrise der Siebzigerjahre begründet.
Trotz der Berücksichtigung auch schwer erschließbarer, fossiler Energiereserven
auf der Erde wie zum Beispiel Ölschiefer, kann man davon ausgehen, dass
diese in zirka 60 Jahren fast restlos erschöpft sein werden. Daher müssen
wir uns nach einer Alternative umsehen.
LN: Reichen denn die regenerativen irdischen Energiequellen wie Wind-, Wasser-
und Solarenergie nicht zur Deckung des zukünftigen Bedarfs aus?
Dr. Stein: Diese Frage kann man nur mit einem klaren "Nein" beantworten.
Die angesprochenen Quellen könnten maximal sechs Prozent des Verbrauchs
abdecken. Diesen Prozentsatz kann man auch mit einer Steigerung des jetzigen
Wirkungsgrades nicht wesentlich erhöhen. Also bleibt in letzter Konsequenz
nur der Weltraum übrig.
LN: Wie sieht Ihr Konzept zur Energiegewinnung im Weltall aus?
Dr. Stein: Angedacht ist eine Variante mit einem 14 Kilometer durchmessenden
Sonnensegel, das im geostationären Orbit installiert wird. Das bedeutet,
dass die "Sonnenfarm" immer in einer Entfernung von 36 000 Kilometern
über dem gleichen Punkt der Erde steht.
Das System fängt das Licht wie eine einzige große Solarzelle ein
und schickt es gebündelt zur Erde. Dies geschieht entweder per Laser oder
Mikrowelle. Am Boden wird eine Station errichtet, die den Strahl, der einen
Durchmesser von bis zu 500 Metern hat, auffängt und in elektrischen Strom
umwandelt. Die Leistung dieses Kraftwerks wird zirka zehn Gigawatt betragen.
Bis vor kurzem war die Steuerung des benötigten Transportstrahls noch gar
nicht möglich. Inzwischen ist uns jedoch ein revolutionärer Durchbruch
auf diesem Gebiet gelungen. Wir sind nun in der Lage, einen solchen Strahl sicher
zu kontrollieren.
LN: Welchen Zeit- und vor allem auch Kostenrahmen veranschlagen Sie für
das Projekt?
Dr. Stein: Theoretisch wäre es möglich, das Projekt innerhalb von
40 bis 50 Jahren zu realisieren. Voraussetzung ist natürlich, dass wir
die politische Unterstützung erhalten und uns genügend Gelder zur
Verfügung gestellt werden. Die Gesamtkosten haben wir auf rund 30 Milliarden
Euro geschätzt.
LN: Lässt sich diese Idee generell mit den heute verfügbaren Technologien
verwirklichen?
Dr. Stein: Die Trägersysteme für den Transport der Komponenten in
die Erdumlaufbahn sind vorhanden. Allerdings bräuchte man zunächst
eine kleine Raumstation, an der die Teile für das "Sonnensegel"
zusammengefügt werden. Hierbei würden wir auch von unseren Erfahrungen
aus dem Betrieb der ISS (International Space Station) profitieren.
Des Weiteren müsste der Wirkungsgrad der verwendeten Solarzellen weiter
verbessert werden.
LN: Zu welchem Preis könnten Sie ihren "Weltraum-Strom" denn
anbieten?
Dr. Stein: Man kann ungefähr sagen, dass wir uns hier in einer Region
von zehn Cent pro Kilowattstunde bewegen.
Christopher von Thun, Daniel Beckmann und Matthias Samsel
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