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Urlaub im All - Nur ein Traum?!?
Ein ganz gewöhnlicher Donnerstag. Wir schreiben das Jahr 2030. Warme Sonnenstrahlen
durchfluten das Hotelzimmer. Darin sitzt Horst Meier (45). Angestrengt überlegt
er, was er heute unternehmen könnte. "Soll ich heute schwimmen gehen
oder guck ich mir doch lieber die Sterne an? Ein Gang durch die hoteleigene
Partymeile wäre aber auch eine interessante Abwechslung…", denkt
der allein stehende Vater bei sich.
280 000 Dollar hat er für seine viertägige Reise bezahlt. Im ganzen
Hotel befinden sich bis zu 220 Gäste. Nein - Herr Meier befindet sich nicht
in einem Luxushotel in Dubai, sondern im Weltall. Dort hat nämlich gerade
das erste Space-Hotel eröffnet.
Täglich wird ein Space-Shuttle mit bis zu 200 Leuten in die unendlichen
Weiten geschossen. Reiche Leute aus aller Welt sind es, die einen Platz in der
Weltraumfähre reservieren, um einmal wie die Astronauten im Weltall zu
schweben. Dazu stellt das Space-Hotel eine einma-lige Gelegenheit dar, die auch
Horst Meier zu nutzen weiß. Er begibt sich aus seinem Zimmer in dem wie
im Rest des Hotels künstliche Schwerkraft herrscht, per Lift in den Bereich
der Schwerelosigkeit. Dort schnuppert er echte Weltraumluft in dem "Außenkäfig".
In seinem weißen Weltraumanzug und mit der typischen Glaskugel auf dem
Kopf fühlt sich der vollschlanke Mann gleich wie ein richtiger Astronaut.
Er erkennt die Sternenbilder und Planeten, die er sonst nur von der Erde aus
beobachten konnte. Ein Gefühl von endloser Freiheit ergreift ihn. Wenn
nur der Anzug nicht so kneifen würde…
Nach einigen akrobatischen Flugeinlagen beschließt der Hobby-Astronaut,
in die künstliche Schwerkraft zurückzukehren. Um sich von den Strapazen
zu erholen, geht er erstmal einen Kaffee trinken. Dabei beobachtet er durch
ein Spezialteleskop seine Haushälterin daheim auf der Erde beim Bügeln
und seine Kinder beim Fußballspielen. Gedankenverloren rührt er mit
seinem goldenen Löffel in seinem Kaffee. Plötzlich wird ihm klar,
was für einen Luxus er da genießt, schließlich kostet der Transport
des Kaffees von der Erde zum Space-Hotel mehrere tausend Dollar. Kopfschüttelnd
kehrt er zurück in seine Kabine. "Jetzt wäre ein Mittags-schläfchen
angebracht", denkt sich Horst Meier und gähnt herzhaft. Weltraumluft
macht mü-de.
Die Kabinen der 220 Space-Touristen sind ringförmig um das Zentrum der
Station angeord-net. Wie zwei Dosen liegen zwei runde Kabinen aneinander. Nur
durch eine dünne Tür wird Horst Meier von seiner hübschen Nachbarin
getrennt. Eine Tatsache, die Herrn Meier heute fast den Schlaf geraubt hätte.
Aber die Annehmlichkeiten seines acht Meter langen und vier Meter breiten Reichs
lassen ihn sanft dahinschlummern. Mit richtigem Bett und großem Ba-dezimmer
hat dies mit der Behausung richtiger Astronauten nichts mehr gemeinsam.
Nach einem kurzen, erholsamen Schlaf, in dem Horst Meier von seiner Haushälterin
geträumt hat und sie im Space-Hotel geheiratet hat, steht er wieder auf,
bereit zum "Moonwalk". Mit Klettverschlüssen an den Füßen
begibt er sich erneut in die Schwerelosigkeit. Nun kann er kopfüber und
kopfunter an den Wänden entlanggehen. Hier holt ihn nichts auf den Boden
der Tatsachen zurück. "Lustig", denkt Herr Meier, "die hängen
ja wie die Fledermäuse von der Decke!", und hängt sich selbst
dazu, um diesen Spaß nicht zu verpassen.
Vor dem Abendessen möchte der 45-jährige Sohn reicher Eltern noch
kurz schwimmen gehen und fährt dazu mit dem Lift in das "Schwimmbad".
Dieses befindet sich ebenfalls im schwe-relosen Bereich des Hotels. Das Wasser
wird in einem ständigen Strom wie in einer Wildwas-serbahn am Außenrand
in eine Richtung bewegt. Horst Meier und die anderen Badegäste werden von
zahlreichen Bademeistern bewacht, denn sollte das Wasser aufhören, sich
zu be-wegen, würde es sofort eine riesige Wasserblase bilden, in der die
Gäste dann eingeschlossen wären. Das wäre lebensgefährlich.
Bei einigen vergnügten Sprüngen im Wasser vergisst Horst Meier die
Schwerelosigkeit und fliegt buchstäblich über sein Ziel hinaus. Ungehindert
schießt er durch den Raum bis sein Flug unsanft von einer der gläsernen
Außenwände gebremst wird. Während ihn die Bade-meister mit geeinten
Kräften von der Scheibe "abkratzen", wird es Herrn Meier mit
der Schwerelosigkeit doch eindeutig zuviel. Er nimmt das nächste Shuttle
zurück zur Erde und freut sich, seine Haushälterin und seine Kinder
wieder zu sehen.
Dieser Traum von Horst Meier wird bei der EADS, dem europäischen Weltraumzentrum
in Bremen, für durchaus realistisch gehalten. Dort wird dieses Zukunftsszenarium
"Space-Hotel" bereits seit einigen Jahren durchgespielt. Die Realisierung
des Projekts hängt hauptsächlich von der Nachfrage und den zur Verfügung
stehenden finanziellen Mittel ab. So ist es viel-leicht ab 2030 tatsächlich
für Touristen möglich, sich den Traum vom Urlaub im All zu erfül-len.
Horst Meiers größter Traum ist übrigens noch in Erfüllung
gegangen: Er hat seine Haushälte-rin geheiratet. Allerdings nicht im Weltall,
sondern dort, wo es doch am schönsten ist: auf der Erde.
Jan Esmann und Kim Kristin Friedel
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