
Das Weltraumlabor Columbus

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Raumfahrt "Made in Europe"
Vom Raumfahrtzwerg zum internationalen Partner
In Bremen warten sie auf ein Signal aus den USA. In Form eines Starttermins.
Denn "Columbus" ist längst fertig, doch mit dem geplanten Transport
ins All im Herbst 2004 wird es vorerst nichts. Das Unglück der Raumfähre
"Columbia" im Februar 2003 hat den Fahrplan der internationalen All-Missionen
kräftig durcheinander gewirbelt. Das "Columbus-Modul" ist der
europäische Beitrag zur derzeit entstehenden Internationalen Raumstation
"ISS". Das in Bremen zusammenlaufende Projekt wird durch eine Kooperation
europäischer Länder ermöglicht. Deutschland hält mit 48
Prozent den deutlich größten Anteil daran. Deswegen Bremen. Hier
bei der EADS Space Transportation müssen die Ingenieure die "Columbus"
im Bereitschaftsmodus halten. Auf dass der entscheidende Anruf aus den USA erfolge
…
Das acht Meter lange und 4,50 Meter breite Modul soll bis zu 15 Jahre in der
Erdumlaufbahn kreisen. Und dabei als Labor für wissenschaftliche Experimente
in der Schwerelosigkeit dienen. "Columbus" ist eines der bedeutendsten
europäischen Raumfahrtprojekte.
Erst lange nach Amerikanern und Russen fingen Europäer an, die Vision von
der Eroberung des Alls in die Tat umzusetzen. Frankreich, England, Italien und
Deutschland bauten ab 1964 zusammen an der "Europa I"-Rakete. Getestet
wurde diese allerdings fernab von Europa - in der australischen Simpson-Wüste.
Zehn Versuche mit dem immer gleichen, niederschlagenden Ergebnis: Explosion
schon am Boden. Sämtliche Startversuche misslangen, die "Europa I"
erwies sich als "Rohrkrepierer". Auch die Verlagerung nach Kourou
und die dadurch vorteilhaftere Nutzung der Erdrotation änderte daran nichts.
Auch politische Gründe spielten für den Wechsel eine große Rolle,
da sich Kourou in dem französischen Department Französisch Guyana
befindet und damit europäisch ist. Der einzige Start der "Europa"
in Kourou endete 1971 mit dem Absturz der Rakete. Damit endete dieses Weltraumprojekt
der europäischen Weltraumorganisation ESA (damals ELDO). Dieses Desaster
führte kurzzeitig zu einem Bruch in der europäischen Raumfahrt. Deutschland
zog sich ab 1972 vorübergehend aus der europäischen Raketenforschung
zurück.
Der internationale Durchbruch gelang Deutschland und Europa erst mit dem "Spacelab-Auftrag"
1974. Als die Nachricht die Runde machte, dass Bremen sich gegenüber einem
innerdeutschen Konkurrenten und einer britischen Firma durchgesetzt hatte, war
die Freude groß: "Eine solche Feier habe ich in Bremen nie wieder
erlebt!", schwärmt Raumfahrtingenieur Peter Pflug noch heute von der
Atmosphäre nach der für die Hansestadt richtungweisenden Entscheidung.
Denn das "Spacelab-Projekt", so teilt der frühere Mitarbeiter
des EADS Space Transportation (ehemals ERNO) mit, versprach eine ausgeweitete
Kooperation mit den Amerikanern. Es diente sowohl zum Test von Materialien,
als auch zur Human- und Proteinforschung. "Spacelab" endete mit der
Mission "Neurolab" 1998. Insgesamt umfasste die "Mission Spacelab"
231 Tage im All. Das Weltraum-Labor war Arbeitsplatz für 149 Astronauten,
die über 720 Experimente durchführten. Es bildet nicht nur aus technischer
Sicht den Vorläufer für das "Columbus-Projekt", sondern
auch im Hinblick auf die europäische Zusammenarbeit.
In Frankreich wiederum schlug zeitgleich mit dem Start des "Spacelab-Programmes"
die Geburtsstunde einer neuen Trägerrakete - der "Ariane". Die
unter der Beteiligung von 15 Ländern Ende der 70er gegründete europäische
Raumfahrtagentur (ESA) führte diese Entwicklung zu Ende. Der erste erfolgreiche
Start der "Ariane"-Trägerrakete erfolgte Weihnachten 1979. Die
Geschichte der bisher erfolgreichsten Version, der "Ariane 4", begann
im Juni 1988. Erstmals war es möglich, eine Rakete je nach Missionsanforderung
individuell zusammenzustellen. Bis 2003 wurde die "Ariane 4" 116 Mal
gestartet und brachte Satelliten aus aller Welt in den Orbit. Seit über
15 Jahren behauptet sich Europa mit dem "Ariane-Programm" auf dem
Gebiet des Transports von Telekommunikationssatelliten als Weltmarktführer.
Nicht zuletzt deshalb etablierten sich die ESA-Staaten als Raumfahrtregion und
errangen den Respekt auch der großen Raumfahrtsnationen USA und Russland.
Ein Indiz dafür war die Einladung zur aktiven Teilnahme am Aufbau der Internationalen
Raumstation.
Und auch, dass die Amerikaner für die kommenden zehn Jahre die Hälfte
der Laboranlagen im "Columbus" gemietet haben, spricht für den
Ruf europäischer Technologie.
Als den großen Nationen in der bemannten Raumfahrt gleichgestellt kann
Europa aber noch nicht gesehen werden. Was mit Hilfe des "Ariane-Programms"
angeschoben wurde, müsste, so sieht es Peter Pflug, mit entsprechender
finanzieller Unterstützung des Europaparlamentes auf neue Projekte übertragen
werden. Bis dahin bleibt den Europäern nichts anderes übrig, als weiter
auf Signale aus den USA zu warten - wie derzeit auf den Anruf zum Start des
Columbus-Projektes …
Daniel Frahm und Martin Scheck
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| Europa-I-Rakete. Foto: EADS SPACE Transportation |
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| Spacelab-Entwicklung in Bremen. Foto: EADS SPACE Transportation |
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| Ariane 1 Trägerrakete. Foto: ESA |
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| Die europäische Trägerrakete Ariane. Foto: EADS |
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