EADS Astrium
 You are here: Home > Columbus Logbuch
Columbus Logbuch

Das Weltraumlabor Columbus

Logbuch
Kaptitel 1
Kaptitel 2
Kaptitel 3
Kaptitel 4
Kaptitel 5
Kaptitel 6
Kaptitel 7
Kaptitel 8
Kaptitel 9
Kaptitel 10
Kaptitel 11
Kaptitel 12
Kaptitel Extra

Bremen

Hessen

Sachsen

Nordrhein-Westfalen

Thüringen

Hamburg

Berlin

Niedersachsen

Baden-Württemberg

Saarland

Schleswig-Holstein

Mecklenburg-Vorpommern

And the winner is...

Pressespiegel

Kontakt

Print

Raumfahrt "Made in Europe"

Vom Raumfahrtzwerg zum internationalen Partner

In Bremen warten sie auf ein Signal aus den USA. In Form eines Starttermins. Denn "Columbus" ist längst fertig, doch mit dem geplanten Transport ins All im Herbst 2004 wird es vorerst nichts. Das Unglück der Raumfähre "Columbia" im Februar 2003 hat den Fahrplan der internationalen All-Missionen kräftig durcheinander gewirbelt. Das "Columbus-Modul" ist der europäische Beitrag zur derzeit entstehenden Internationalen Raumstation "ISS". Das in Bremen zusammenlaufende Projekt wird durch eine Kooperation europäischer Länder ermöglicht. Deutschland hält mit 48 Prozent den deutlich größten Anteil daran. Deswegen Bremen. Hier bei der EADS Space Transportation müssen die Ingenieure die "Columbus" im Bereitschaftsmodus halten. Auf dass der entscheidende Anruf aus den USA erfolge …
Das acht Meter lange und 4,50 Meter breite Modul soll bis zu 15 Jahre in der Erdumlaufbahn kreisen. Und dabei als Labor für wissenschaftliche Experimente in der Schwerelosigkeit dienen. "Columbus" ist eines der bedeutendsten europäischen Raumfahrtprojekte.
Erst lange nach Amerikanern und Russen fingen Europäer an, die Vision von der Eroberung des Alls in die Tat umzusetzen. Frankreich, England, Italien und Deutschland bauten ab 1964 zusammen an der "Europa I"-Rakete. Getestet wurde diese allerdings fernab von Europa - in der australischen Simpson-Wüste. Zehn Versuche mit dem immer gleichen, niederschlagenden Ergebnis: Explosion schon am Boden. Sämtliche Startversuche misslangen, die "Europa I" erwies sich als "Rohrkrepierer". Auch die Verlagerung nach Kourou und die dadurch vorteilhaftere Nutzung der Erdrotation änderte daran nichts. Auch politische Gründe spielten für den Wechsel eine große Rolle, da sich Kourou in dem französischen Department Französisch Guyana befindet und damit europäisch ist. Der einzige Start der "Europa" in Kourou endete 1971 mit dem Absturz der Rakete. Damit endete dieses Weltraumprojekt der europäischen Weltraumorganisation ESA (damals ELDO). Dieses Desaster führte kurzzeitig zu einem Bruch in der europäischen Raumfahrt. Deutschland zog sich ab 1972 vorübergehend aus der europäischen Raketenforschung zurück.

Der internationale Durchbruch gelang Deutschland und Europa erst mit dem "Spacelab-Auftrag" 1974. Als die Nachricht die Runde machte, dass Bremen sich gegenüber einem innerdeutschen Konkurrenten und einer britischen Firma durchgesetzt hatte, war die Freude groß: "Eine solche Feier habe ich in Bremen nie wieder erlebt!", schwärmt Raumfahrtingenieur Peter Pflug noch heute von der Atmosphäre nach der für die Hansestadt richtungweisenden Entscheidung. Denn das "Spacelab-Projekt", so teilt der frühere Mitarbeiter des EADS Space Transportation (ehemals ERNO) mit, versprach eine ausgeweitete Kooperation mit den Amerikanern. Es diente sowohl zum Test von Materialien, als auch zur Human- und Proteinforschung. "Spacelab" endete mit der Mission "Neurolab" 1998. Insgesamt umfasste die "Mission Spacelab" 231 Tage im All. Das Weltraum-Labor war Arbeitsplatz für 149 Astronauten, die über 720 Experimente durchführten. Es bildet nicht nur aus technischer Sicht den Vorläufer für das "Columbus-Projekt", sondern auch im Hinblick auf die europäische Zusammenarbeit.
In Frankreich wiederum schlug zeitgleich mit dem Start des "Spacelab-Programmes" die Geburtsstunde einer neuen Trägerrakete - der "Ariane". Die unter der Beteiligung von 15 Ländern Ende der 70er gegründete europäische Raumfahrtagentur (ESA) führte diese Entwicklung zu Ende. Der erste erfolgreiche Start der "Ariane"-Trägerrakete erfolgte Weihnachten 1979. Die Geschichte der bisher erfolgreichsten Version, der "Ariane 4", begann im Juni 1988. Erstmals war es möglich, eine Rakete je nach Missionsanforderung individuell zusammenzustellen. Bis 2003 wurde die "Ariane 4" 116 Mal gestartet und brachte Satelliten aus aller Welt in den Orbit. Seit über 15 Jahren behauptet sich Europa mit dem "Ariane-Programm" auf dem Gebiet des Transports von Telekommunikationssatelliten als Weltmarktführer. Nicht zuletzt deshalb etablierten sich die ESA-Staaten als Raumfahrtregion und errangen den Respekt auch der großen Raumfahrtsnationen USA und Russland. Ein Indiz dafür war die Einladung zur aktiven Teilnahme am Aufbau der Internationalen Raumstation.
Und auch, dass die Amerikaner für die kommenden zehn Jahre die Hälfte der Laboranlagen im "Columbus" gemietet haben, spricht für den Ruf europäischer Technologie.
Als den großen Nationen in der bemannten Raumfahrt gleichgestellt kann Europa aber noch nicht gesehen werden. Was mit Hilfe des "Ariane-Programms" angeschoben wurde, müsste, so sieht es Peter Pflug, mit entsprechender finanzieller Unterstützung des Europaparlamentes auf neue Projekte übertragen werden. Bis dahin bleibt den Europäern nichts anderes übrig, als weiter auf Signale aus den USA zu warten - wie derzeit auf den Anruf zum Start des Columbus-Projektes …

Daniel Frahm und Martin Scheck

Europa-I-Rakete. Foto: EADS SPACE Transportation




Spacelab-Entwicklung in Bremen. Foto: EADS SPACE Transportation




Ariane 1 Trägerrakete. Foto: ESA




Die europäische Trägerrakete Ariane. Foto: EADS
© 2008 EADS Astrium | Google Search | Legal Notice and Imprint | General Contact