
Das Weltraumlabor Columbus

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And the winner is...

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Eingriff in die Sphäre
der Supermächte:
Europäische Forschungsanlagen auf der ISS
Auf der Internationalen
Raumstation (ISS) arbeiten ehemalige Konkurrenten zusammen. Die bereits vorhandenen
europäischen Anlagen werden in Zukunft aufgestockt.
Der Wettbewerb in der Weltraumforschung
war stets wichtiger Bestandteil des Kalten Krieges. „Höher, schneller,
weiter“, so hieß die Devise der Supermächte: Hauptsache, man
ist der Erste bei Neuentwicklungen.
Noch heute geben die Russen
und Amerikaner im All den Ton an. Über die Hälfte der Raumstation
ISS (International Space Station) liegt in amerikanischer Hand. Die Vergangenheit
lässt sich also nicht leugnen, obwohl nach dem Fall des Eisernen Vorhangs
internationale Zusammenarbeit begann. Auch Europa wollte mitmischen, 1985 war
eine Beteiligung am Bau der ISS mit fünf Modulen geplant. Eines ist letztlich
übrig geblieben: Das europäische Weltraumlabor Columbus, seit 1996
im Bau, voraussichtlicher Start ist Oktober 2004. Aus europäischer Produktion
bereits im All ist die Forschungseinrichtung Microgravity Sciences Glovebox
(MSG). Die von der Bremer Firma „Astrium Space Infrastructure“ entwickelte
Nutzlastanlage ist geeignet, um Experimente mit gefährlichen und giftigen
Materialien ohne Risiko durchzuführen. Die Amerikaner nutzen MSG aber in
ihrem eigenen ISS-Labor Destiny. Die Zusammenarbeit liegt in einem internationalen
Tauschhandel – dem sogenannten Bartergeschäft – begründet,
wo keine Gelder fließen, sondern Materialien ausgetauscht werden.
Einerseits nutzen die Europäer
Cape Canaveral, um Spaceshuttles ins All zu schicken, andererseits übertragen
sie neu entwickelte Forschungsanlagen der NASA. Neben der MSG gehört auch
die so genannte Unterdruckhose (LBNP) zu diesen „Tauschobjekten“,
die auf der ISS jedoch noch nicht aktiv im Einsatz ist. Dabei ist die rund eineinhalb
Meter lange Röhre wichtig für die Astronauten: Unter Schwerelosigkeit
staut sich das Blut im Oberkörper, weshalb die Gesichter der Astronauten
an den ersten drei bis vier Tagen im All aufgedunsen sind. „Das Kreislaufsystem
passt sich dann an die Weltraumverhältnisse an“, erklärt Astrium-Ingenieur
Wolfgang Mühl. Um die Rückkehr auf die Erde zu erleichtern, könne
mit der Unterdruckhose der natürliche Blutkreislauf regeneriert werden.
Mühl arbeitet bei Astrium in Bremen und ist Mitglied des Projektteams,
welches das Forschungsmodul Columbus zusammenfügt. Das zur Hälfte
fertig gebaute Labor hat die Form einer Getränkedose und ist mit Kabeln
überzogen. Dreißig Leute arbeiten im Clean Room, wo Columbus zum
Leben erweckt wird, unter besonderen hygienischen Richtlinien.
Flüssigkeitstests auf
Columbus und Kühlschränke für die Amerikaner
Europäische Wissenschaftler entwickeln weitere Experimentieranlagen zur
Grundlagenforschung, die entweder in zwei Jahren mit der Columbus ins All geschossen
werden oder mit denen auf amerikanischen Modulen experimentiert wird.
Mit Columbus reist zum Beispiel
das sogenannte Biolab zur ISS, in dem biologische Ex-perimente an Mikroorganismen
und Pflanzen durchgeführt werden. Mit einer eingebauten Zentrifuge simulieren
die Astronauten Schwerkraft und können somit die Ergebnisse mit und ohne
Erdanziehungskraft direkt vergleichen. Das Verhalten von Flüssigkeiten
ohne den Störfaktor der Gravitation kann im Fluid Science Laboratory (FLS)
untersucht werden. „Abgekühlte Flüssigkeiten sinken in der Schwerelosigkeit
nicht ab, sodass keine permanente Durchmischung stattfindet, sondern Diffusionsvorgänge
unbeeinflusst ablaufen“, begründet Andreas Schütte, der unter
anderem die Handschuhbox MSG mitentwickelt hat. Der Systemingenieur arbeitet
seit 13 Jahren bei Astrium und stellt sicher, dass sämtliche tech-nischen
Geräte zusammenpassen. Absolute Grundlagenforschung wird ab 2004 im pharma-zeutischen
Bereich erfolgen. Unter Schwerelosigkeit werden die Kristalle, die bei der Protein-kristallisation
entstehen, größer und reiner. Dadurch ist die Struktur der Eiweiße
besser er-kennbar als bei terrestrischen Untersuchungen, wodurch Medikamente
gezielter entwickelt werden können. Weiterhin konstruiert Astrium für
Columbus das Materials Science Laboratory (MSL), dessen Ziel die Verbesserung
von Werkstoffen ist. Wissenschaftler züchten beispielsweise neue Kristalle
für die Herstellung von Halbleitern. Auf Columbus wird das MSL sogar noch
erweitert und elektromagnetische Felder in die Forschung einbezogen.
Ein MSL ohne diesen EML (Electromagnatic Levitator) soll bald auch auf der amerikani-schen
Destiny arbeiten. Astrium entwickelt derzeit noch sechs weitere Forschungseinrichtun-gen
für US-„All-Dosen“. Darunter sind Kühlschränke, die
Zellkulturen zur Konservierung auf Temperaturen bis zu minus 138° C abkühlen.
Mit dem European Cultivation System (EMCS) wird dagegen Pflanzenzucht bei Temperaturen
zwischen 18 und 40° C ermöglicht.
Europäische Raumfahrtprodukte
in der ISS verstreut
Dank langjähriger Erfahrung
in der bemannten Raumfahrt findet man europäische Raum-fahrtprodukte im
Kosmos, bevor das eigene Modul die Erde auch nur verlassen hat. Renommiert sind
beispielsweise europäische Schmelzöfen, Experimentieranlagen und Software.
Die russischen „Raumkapseln“ arbeiten mit dem hier entwickelten
Lebenserhaltungssystem ECLSS, das unter anderem Luft- und Wasserversorgung,
Nahrungsaufbereitung und Abfallentsorgung steuert. Und der Nutzlasttransporter
ATV trägt unter anderem zur Versorgung der ISS mit Wasser und Treibstoff
bei. Die Bedeutung Europas im Bereich der ISS ist also nicht auf das Forschungsmodul
Columbus beschränkt, sondern entfaltet sich in internationaler Zusammenarbeit...
Katja Engelhardt und Dagmar
Röller
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| Die Unterdruckhose hatte ihren ersten Einsatz im Spacelab. Sie regeneriert
den Blutkreislauf. Foto: NASA |
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