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Auf den Spuren Armstrongs

Ausbildung für den All-Tag

"Wenn ich mal groß bin, dann werde ich Astronaut!". Schwerelos durchs All schweben, in Armstrongs Fußstapfen treten und die Erde aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachten: Eine faszinierende Vorstellung, die wohl jeden von uns schon einmal in den Bann gezogen hat. Aber nur wenigen wird die Chance geboten, diesen Kindheitstraum in die Realität umzusetzen.

Seit 1998 kreist die Internationale Raumstation ISS (International Space Station) um die Erde. Für die "fliegende Baustelle" werden zur Zeit wieder amerikanische, russische, europäische und japanische Astronauten auf ihren Einsatz im All vorbereitet. Die ISS, ein gemeinschaftliches internationales Forschungsprojekt, das sich momentan noch im Aufbau befindet und nach jetziger Planung bis spätestens 2010 fertiggestellt sein soll, stellt hohe Ansprüche an die künftigen Raumfahrer.

"Astronaut zu sein, bedarf es wenig..."

... und wer Astronaut ist, ist ein König? Neben den physischen Aspekten wie einem stabilen Gesundheitszustand und körperlicher Fitness, spielen natürlich auch Teamfähigkeit und nervliche Belastbarkeit eine entscheidende Rolle. Ein mit Promotion abgeschlossenes Studium in naturwissenschaftlichen oder medizinischen Fächern wird ebenfalls vorausgesetzt. Die Laufbahn des ehemaligen MIR-Kosmonauten Thomas Reiter zeigt, dass auch eine Vergangenheit als Kampfpilot hilfreich sein kann, genauso wie Kenntnisse in den Sprachen der Raumfahrt, englisch und russisch.

"Astronaut zu sein, bedarf es viel..."

... und wer Astronaut ist, ist ein König! Wer nach zahlreichen Bewerbungsgesprächen und vielen weiteren Tests ausgewählt und in das Astronauten-Corps aufgenommen wird, kann sich sehr glücklich schätzen. Als die Europäische Raumfahrt Organisation ESA (European Space Agency) 1992 künftige Astronauten suchte, blieben am Ende nur 6 von 22.636 Bewerbern übrig.

Zwischen dem Beginn der begehrten Ausbildung und dem Countdown liegen viele harte Jahre voller Arbeit. Ein sechsmonatiges "Basic Training" soll die Lehrlinge mit den Grundlagen der Raumfahrt vertraut machen. In die berühmt-berüchtigte Zentrifuge müssen sie schon lange nicht mehr einsteigen, heutige Raketen erfordern eine andere Art der Vorbereitung. Beispielsweise wird so bei Parabelflügen kurzzeitige Schwerelosigkeit erzeugt oder die Astronauten werden in der Wildnis ausgesetzt, um das nackte Überleben im Falle einer Notlandung zu trainieren. Anschließend durchlaufen sie spezielle Trainingseinheiten, die sie im Hinblick auf ihre späteren Aufgaben gezielt vorbereiten. Da sich jede Mission von anderen unterscheidet, wird "missions-spezifisch" gelernt. Trotzdem kann nicht mehr jeder einzelne Handgriff gepaukt werden, man konzentriert sich statt dessen auf grundlegendes Know-How, das auf andere Vorgänge übertragen werden kann. Das liegt am zeitlichen Umfang der Missionen, der immer weiter gewachsen ist. Shuttle-Missionen dauern maximal zwölf Tage, eine ISS-Crew muss sich auf einen 180-tägigen Aufenthalt einstellen.

Alleskönner Astronaut

Die ISS verlangt als internationales Projekt auch eine internationale Ausbildung der Astronauten. Schließlich muss jeder im Notfall alles können und sich mit den anderen auch problemlos verständigen. Jedes teilnehmende Land des ISS-Projekts entwickelt seine eigenen Systeme, so muss auch jeder Astronaut mit allem vertraut gemacht werden. Der "Space-Azubi" fliegt von Houston nach Köln, von dort nach Moskau und über Tsukuba (Japan) wieder zurück, er reist um die Welt, um sich das nötige Fachwissen anzueignen. Im fortgeschrittenen Training werden die Bedienung, Systeme und Funktionen der ISS verstärkt geübt. Dazu gehören neben trockenem Theorieunterricht immer wieder praktische Übungen mit Computer-Simulationen oder realistischen Nachbildungen von Teilen der Raumstation, so genannten Mock-Ups. In Houston wurde in einem Wasserbecken ein 1:1 Modell der Raumstation gebaut, in dem die Astronauten unter weltraum-ähnlichen Bedingungen die Außeneinsätze üben können. Die letzten 18 Monate vor dem Abflug wird Tag für Tag ununterbrochen trainiert, bei den Massen an Lernstoff sind natürlich auch jede Menge Wiederholungsstunden nötig.

Nicht zu vergessen ist allerdings, dass auch die härteste Ausbildung nicht vor Heimweh schützt. Auch der disziplinierte Kampfjet Haudegen Thomas Reiter offenbart, dass er nach einiger Zeit seine Familie, die Natur oder den Duft von Wäldern bei einem ausgedehntem Spaziergang vermisste.

"Wenn du mal groß bist, willst du dann wirklich Astronaut werden?"

Wer weiß, wann der nächste Armstrong mit weisen Worten seine Flagge in den Staub des roten Planeten steckt...

Alexandra Hohl und Manuel Abels

Die zukünftige Raumstation ISS. Foto: EADS SPACE Transportation




Thomas Reiter. Foto: ESA




Übungsbecken in Houston. Foto:NASA
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