
Das Weltraumlabor Columbus

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And the winner is...

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"Check!" "Confirmed!" "Execute!"
Ein Selbstversuch am Columbus-Trainer
Zweiter Stock, Raum 2.005.
Ein selbstgemaltes Türschild: „Columbus Trainer User Room“.
Hinter der Tür ein mittelgroßer Raum mit ein paar Monitoren, Tastaturen,
Laptops.
Was, so sieht das Trainingscenter
für das europäische Weltraumlabor Columbus der Internationalen Raumstation
ISS aus?? Keine Spur von „Apollo 13“ oder „Armageddon“.
Nichts zu sehen von Großbildleinwänden, blinkenden Weltkarten oder
der Hektik eines Kontrollzentrums. Wahrscheinlich wären wir einfach am
Raum vorbeigelaufen, wäre da nicht dieses unscheinbare Türschild beim
Bremer Raumfahrtunternehmen Astrium gewesen. Am mittleren Rechner sitzt Dr.
Peter Eichler, Astronautenausbilder bei Astrium. Er soll uns heute in die Geheimnisse
der Columbus-Computersteuerung einweihen. Ein Training, welches jeder Astronaut
durchläuft, egal ob aus er aus Europa, Amerika, Japan oder Russland kommt.
Denn im Weltraum gibt es keine Ländergrenzen - in der Raumstation muss
im Notfall jeder alles beherrschen, und so findet die Astronautenausbildung
in allen Teilen der Welt statt: Houston (USA), Star-City (Russland), Tsukuba
(Japan) und Köln, denn dort wird das Computer-Training nach seiner Fertigstellung
Ende 2002 im Europäischen Astronauten Zentrum stationiert. Im Gegensatz
zu weitverbreiteten Vorstellungen wird im Columbus-Labor alles, vom Licht über
die Frischluftzufuhr bis hin zur Klimatisierung per Computer geregelt und gesteuert.
Lediglich für die wichtigsten Funktionen gibt es noch Notfallventile, welche
die Astronauten im Ernstfall per Hand umlegen könnten, was sie auch am
Boden in 1:1-Modellen trainieren müssen.
Anders als bei der amerikanischen
Raumfahrtagentur NASA wird hier im Trainings-Center mit der Originalsoftware
gearbeitet, die auch später auf den Bordlaptops im Columbus-Labor installiert
sein wird. So konnten bereits Programmfehler gefunden werden, die im Orbit möglicherweise
zu unangenehmen Folgen geführt hätten.
Für jeden Vorgang im All gibt es eine Art Bedienungsanleitung, vom Fachmann
„Procedure“ genannt, in der jeder Handgriff haarklein aufgelistet
ist.
Und eben so eine Procedure halten wir nun in unseren Händen. Dr. Eichler
simuliert mit uns einen möglichen Zwischenfall im Columbus-Labor, ein Leck
im Kühlsystem. Unsere Aufgabe ist es jetzt, zwei Ventile per Computer zu
öffnen beziehungsweise zu schließen, um weitere Schäden am Labor
zu vermeiden. Gerechnet hatten wir mit einer kurzen Beschreibung des Arbeitsvorgangs,
jedoch beinhaltet die Procedure für diese Kleinigkeit schon eine fünfseitige
Anleitung. Was würde uns bloß bei einem wirklich komplizierten Vorfall
erwarten? Dr. Eichler scheint unsere skeptischen Blicke über den Umfang
zu erkennen und erzählt, dass es aus Platzgründen unmöglich sei,
alle Procedures in Papierform mit an Bord zu nehmen. Ein bisschen Platz soll
ja auch noch für Experimente oder Astronautenschlafsäcke bleiben...
Im Columbus-Labor gibt es mehrere Laptops, auf denen die Procedures abgerufen
werden können. Das spart Platz und Gewicht.
Die Procedures müssen
ganz exakt, Anweisung für Anweisung ausgeführt werden. Bei unserem
Leck im Kühlsystem besteht die erste Anweisung darin, ein Display abzulesen
und die dort angezeigten Daten zu überprüfen. Nur wenn sie genau mit
den in der Procedure angegebenen übereinstimmen, dürfen wir weitermachen.
Sollte es Abweichungen geben, wäre der Funkspruch „Bremen, wir haben
ein Problem“ die Folge.
Auch die Kommunikation zwischen den Astronauten beim Ausführen der Procedure
ist präzise geregelt.
Glücklicherweise reichen
unsere Englischkenntnisse soweit, dass wir die drei Grundbegriffe „Check“
(überprüfe) „Confirm“ (bestätige) und „Execute“
(führe aus) beherrschten. So heben wir nun in Gedanken ab und schweben
450 Kilometer über der Erde:
„Call Display TSC
Heat Exchanger!“
„Copy, TSC Heat Exchanger Display called.“
„Check: WOOVs 3 and 4: Open Stat – OPEN“
„WOOVs 3 and 4: Open Stat – OPEN, confirmed.“
„Config: sel MTHX\BYPASS cmd MTHY\BYPASS, Execute!“
„sel MTHX\BYPASS cmd MTHY\BYPASS, Executed.“
„Check: WOOVs 3 and 4: Open Stat – CLOSED“
„Confirmed: WOOVs 3 and 4: Open Stat – CLOSED.“
[...vier DIN-A 4 Seiten später...]
„End of BYPASS MTHX Procedure.“ – wir haben’s geschafft!
Schweißgebadet kehren
wir auf die Erde zurück – wenigstens konnten wir im All das Wasser
abdrehen. Und ein Vorurteil haben wir auch abgelegt: Die superschnellen Computer
der USS-Enterprise kommen in der Realität wohl kaum zum Einsatz: Sie würden
nach nur wenigen Stunden der kosmischen Strahlung zum Opfer fallen und ihren
Dienst quittieren, so Dr. Eichler. „Columbus“ greift lieber auf
bewährte Computer älterer Generationen zurück, da diese weniger
störanfällig sind. Immerhin – selbst schreiben muss man im Orbit
nicht.
Die Tür zum Zimmer
2.005 mit dem handgeschriebenen Schild fällt hinter uns ins Schloss –
die Erde hat uns wieder.
Evamaria Schrick und Sebastian
Strube
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| Columbus Trainer User Room, Foto: EADS SPACE Transportation |
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| Noch in Bremen, bald im All – Columbus. Foto: EADS SPACE Transportation |
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| Völlig losgelöst – die Autoren beim Selbsttest. Foto: EADS SPACE Transportation |
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