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Kurier und Müllcontainer
Der Weltraumtransporter
ATV soll wichtige Aufgaben für die ISS übernehmen
Vor gut anderthalb Jahrhunderten
schickte Jules Verne in seiner Phantasie bereits Menschen mit einer 900-Fuß-Kanone
auf die Reise zum Mond. Damals waren es nur naturwissenschaftliche Utopien,
doch heute ist uns klar, dass seine Vision Wirklichkeit geworden ist.
Schon vor 35 Jahren zeigte
die Wissenschaft mit Saturn 5, dass man das schier Unmögliche schaffen
kann. Und als die erste ständige Raumbesatzung der Internationalen Raumstation
(ISS) startete, war man dem Traum, zu anderen Planeten zu fliegen, wieder ein
Stück näher gerückt.
Seit dem ist der Name Jule
Verne das Beispiel für wahrgewordene Hoffnungen. Vielleicht aus diesem
Grunde wird die erste Mission des neuen Transfervehicle ATV zur Station „Jule
Verne“ genannt.
Das ATV
Sobald sich der Mensch mit
Hilfe großer und schwerer Raketen aus der Erdatmosphäre herausbewegt,
werden ihm die großen Ressourcen an lebensnotwendigen Stoffen wie etwa
Wasser und Sauerstoff nicht mehr zugänglich. Aber die Astronauten auf der
ISS sind auf Versorgungsmaterialien wie Treibstoff, Atemluft und Wasser als
auch Verbrauchsgüter und Ersatzteile sowie Experimente angewiesen. Das
ATV (Automated Transfer Vehicle) ist ein unbemanntes Fahrzeug, das regelmäßige
Transporte dieser Güter ermöglicht.
Damit setzt ATV die Geschichte
unbemannter Transportfahrzeuge fort. Bisher wurde der russische Raumtransporter
PROGRESS mit 2200 kg Nutzlast verwendet. Im Verhältnis zu den benötigten
Mengen ist das ein zu geringes Beförderungsvolumen. Deshalb ist eine Weiterentwicklung
notwendig geworden. Mit 7 000 kg kann das ATV
schon jetzt mehr als das Dreifache der PROGRESS transportieren. Zukünftig
soll die beförderbare Masse sogar auf 9000 - 10000 kg aufgestockt werden.
So ist es gleichzeitig gelungen die Transportkosten pro kg Nutzlast wesentlich
zu senken.
Trotz dieser Veränderungen gegenüber vorherigen Modellen, hat sich
die äußere Form nicht wesentlich verändert. So ist die Zylinderform
beibehalten worden, jedoch haben sich die Maße mit einer Höhe von
10 m und einem Durchmesser von 4,5 Meter ausgedehnt.
Anders als in der ISS, „in
der man sich schon fast verlaufen kann“, so Astrium-Sprecher Dr. Mathias
Spude, hat der begehbare, quadratische Innenraum des ATV nur eine Seitenlänge
von etwa 2 Metern. In dessen Wänden befinden sich Schrankmodule, die sogenannten
Racks. „Die sehen aus wie Billy-Regale von Ikea“, Spude. Weiterhin
befinden sich im ATV kugelförmige Treibstoff- und Gastanks, die mit Treibstoff
und Wasser gefüllt sind.
Im unteren Teil des Fahrzeugs
befindet sich der Antrieb mit seinen verschiedenen Triebwerken, die für
die Steuerung oder die Beschleunigung zuständig sind, sowie den dazugehörigen
Treibstoffbehältern.
Der Missionsablauf
Nach dem Start wird die
Rakete ARIANE 5 das Raumfahrzeug bis zu einer Höhe von 220 km von der Erdoberfläche
befördern. Die Booster, Zusatztriebwerke der Rakete, die notwendig sind,
um die Erdanziehungskraft zu überwinden, lösen sich bereits während
der Flugphase in der Atmosphäre ab und fallen mit Fallschirmen zurück
ins Meer. Erst außerhalb der Atmosphäre, in einer sicheren Umlaufbahn,
löst sich der untere Teil der ARIANE vom ATV ab. Der Weg bis zu einer Entfernung
von 120 km von der Weltraumstation wird nun mit der Oberstufe und dem Transporter
zurückgelegt. Danach wird auch dieser Teil abgesprengt, die restliche Strecke
bewältigt das ATV selbständig. Dazu wird das System des Fahrzeugs
in Gang gesetzt, die vier Solarflächen mit einer Spannweite von 22 Metern
ausgefahren und schließlich der Antrieb gezündet. Nach nun insgesamt
zwei Tagen Flug wird die Station erreicht und angedockt, das heißt die
Station und der Raumtransporter verbinden sich und der Güteraustausch kann
stattfinden.
Nachdem der Vorgang des
Be- und Entladens abgeschlossen wurde, muss die Raumstation wieder auf eine
höhere Bahn gehoben werden. Dazu brennen die vier Haupttriebwerke des ATV
3-4 Stunden ununterbrochen, was natürlich eine enorme Belastung des Materials
mit sich bringt, die schon in der Konstruktionsphase berücksichtigt werden
muss.
Der Innenraum des ATV kann
in der angekoppelten Phase als „Strahlenschutzbunker“ benutzt werden,
so Dr. Mathias Spude, denn dort sei man vor Strahlungsausbrüchen der Sonne
geschützt.
Danach erfolgt eine Metamorphose
zum Müllcontainer, denn ATV nimmt alle Abfälle mit auf den Weg Richtung
Erde. Schließlich verglüht es beim Eintritt in die Atmosphäre.
Mit dem Verglühen ist die Mission des ATV, die in ihrer Gesamtheit des
Projektes sehr beeindruckend klingt, beendet. Doch wenn man die Ausmaße
des Universums (4,000,000,000 Lichtjahre) mit der so bisher überwundenen
Entfernung von rund 0,001 Lichtsekunden (400 km) vergleicht, bemerkt man, „dass
wir bisher nur an der Oberfläche kratzen“ (Josef Sommer, Astrium-Ingenieur).
Kerstin Holzheu, Martin
Schreivogel und Anna Hüfner
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