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Feuriges Finale
Reboosten rettet Raumstation
Mit einer Geschwindigkeit
von 300 Meter pro Tag fällt die ISS hilflos unserem Planeten entgegen.
Das ist ein Problem - obwohl die größte Raumstation aller Zeiten
immer noch 400km vom Erdboden entfernt ist. Denn die ISS ist nicht das Raumschiff
Enterprise, diese riesige Raumstation hat nicht einmal die Möglichkeit,
sich aus eigener Kraft auf der vorgesehenen Umlaufbahn zu halten.
Um weiteres Absinken zu
verhindern wurde das Automated Transfer Vehicle (ATV) entwickelt. Beim Blick
in den Clean-Room kann man sich noch nicht vorstellen, dass das ATV in anderthalb
Jahren ins Weltall geschossen werden soll: Einzelne Bauteile wie Tanks und Strukturen
stehen zur Zeit noch vormontiert im Raum verteilt.
Die Aufgaben des ATV bestehen in der Versorgung der ISS, der Entsorgung von
Müll und dem Einsatz als Antriebsmodul. Nachdem das ATV mit Hilfe einer
Ariane-Rakete in eine entsprechende Umlaufbahn geschossen wurde, nähert
es sich der Station, um diese Aufgaben zu erfüllen.
Nachdem der Güteraustausch
erfolgt ist, wird das ATV als Antriebsmodul weiterverwendet. Der zylinderförmige
Raumfahrttransporter kann die Lage der mehr als 100mal größeren Orbitstation
auf die vorgesehene Höhe von 400 bis 450 km korrigieren. Möglich wird
dies durch das sogenannte „Reboost“. Durch ein Manöver ist
es möglich, die Station um bis zu 40 km zu heben. Das ATV stellt dazu sein
Antriebsystem mit vier Haupttriebwerken bereit. 3 – 4 Stunden kann der
Reboost dauern. Während des sechs- bis neunmonatigen Aufenthalts an der
ISS sind je nach Bedarf zwei bis drei dieser Bahnkorrekturen möglich.
Für einen Laien ist
schwer vorstellbar, dass das relativ kleine ATV die gewaltige ISS bewegen kann.
Am ehesten kann man das vielleicht mit einem Motorboot vergleichen, das gegen
eine Strömung schwimmt:
Der kleine Motor bringt genug Leistung auf, um das große Boot in die der
Strömung entgegengesetzte Bewegung voranzutreiben. Dadurch wird es abhängig
vom Antrieb.
„Das ist der kritischste
Moment“, sagt Josef Sommer, Entwicklungsingenieur bei der Firma Astrium.
Denn würde das ATV explodieren, hätte das fatale Folgen für die
Station. Gleichzeitig ist dies das „feurige Finale“, so Sommer.
Danach hat der Raumtransporter seine Mission im All erfüllt. Am Ende verglüht
der märtyrerhafte Helfer beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Aber
für die ISS ist es wichtig, dass jedes kleine Modul seinen Beitrag zum
Erhalt des Ganzen leistet.
Carolin Ritter und Christian Heise
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