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Einsames Rendezvous in den unendlichen Weiten
Das ATV auf dem Weg zur
ISS
27. September 2004, Spätnachrichten,
irgendwo zwischen Schwarzgeld und Hochwasser kommt die Meldung von einem Ariane
- Start in Kourou (Französisch- Guayana). An Bord ein neues Gerät
- das ATV (Automated Transfer Vehicle), ein unbemannter Raumtransporter zur
Versorgung der Internationalen Raumstation ISS. Erst zwei Tage später wird
erneut berichtet, über die Ankunft im All. Aber was ist innerhalb dieser
48 Stunden geschehen? Hat der Transporter alleine seinen Weg zur ISS gefunden
oder ist er zufällig dagegen geprallt?
Nach dem Start der Ariane
5 in Kourou koppelt sich der Weltraum-Lkw in einer Höhe von 120 km von
der Trägerrakete ab und entfaltet seine 4 Sonnensegel. Nun beginnt sein
selbständiger Flug durch den Weltraum. Ready for Rendezvous. Nachdem ATV
seine Bahn gefunden hat, nähert es sich der Raumstation stetig an. Der
Transporter bewegt sich auf einer elliptischen Umlaufbahn um die Erde, ähnlich
wie die Planeten um die Sonne. So nähert er sich der ISS, die sich ebenfalls
auf einem elliptischen Umlauf befindet.
Abkopplung des ATV von der
Ariane
Dabei arbeiten gleichzeitig
3 Systeme, die den ATV leiten. Durch das "Guidance" - System wird
die Flugbahn berechnet. Die zweite "Navigation" bestimmt den momentanen
Standort, das "Control-System" wiederum fungiert als Regler, damit
der Transporter die Raumstation erreicht. Unterstützt wird dieser Vorgang
durch GPS (Global Positioning System), was man auch zur Lagebestimmung in der
Automobiltechnik verwendet. Diese Systeme arbeiten aber nur dann, wenn sich
ATV noch in sehr großem Abstand zur ISS befindet.
Ab 30 km Entfernung beginnt
die direkte Kommunikation über die GPS beider Komponenten zwischen ISS
und ATV, die den Transporter bis auf 3,5 km an die Raumstation lotsen. Dort
tritt eine Warteschleife ein, da dieser Bereich zur Sicherheitszone der ISS
gehört und es erst einer Erlaubnis der Bodenstation bedarf, um weiter vorzudringen.
Zum Beispiel kann sich noch eine Sojus- oder Progresskapsel an der Andockstation
befinden. Vergleichbar ist das mit einer Garage, in der noch ein Auto steht.
Bevor dieses die Garage nicht verlassen hat, kann kein zweites Auto hinein.
Zeitliche Verzögerungen sind auf der ISS durchaus möglich. Auch dadurch,
dass die Astronauten wegen laufender Experimente auf der ISS das Andocken nicht
überwachen können. Nach dem OK der Bodenstation begibt sich das ATV
bis auf 200 m vor das Ziel. Dort setzt erneut eine Warteschleife ein, wieder
muss die Zustimmung der Bodenstation abgewartet werden. In dem anschließenden
Korridor, der in der absoluten Hochsicherheitszone der ISS liegt, steuern verschiedenste
Sensoren - wie zum Beispiel Laser - den Einflug.
Steuerung über den
Laser
Ab 200 m nähert sich
der Raumtransporter auf erzwungener geradliniger Bahn seinem Ziel an. Dabei
wirken die Düsen auf der Unterseite des Transporters der oben beschriebenen
elliptischen Bahn entgegen. Dieser Vorgang sollte möglichst schnell geschehen,
da ein hoher Kraftstoffverbrauch notwendig ist. Allerdings muss stets auf die
Sicherheit geachtet werden.
Danach kommt der heikelste
Punkt der Mission. Denn das Andocken ist noch weit komplizierter als das Einlaufen
eines Schiffes in den Hafen. Kurz bevor das ATV an die ISS andockt, wird aus
der Spitze des Transporters ein Fühler ausgefahren, der bei Berührung
reagiert. Kommt es nun zum Kontakt zwischen Fühler und russischen Dockingport,
wird der Antrieb des ATV ausgelöst und es schiebt sich langsam in das Port
hinein. Sobald der Fühler genau positioniert ist, bewegt sich das ATV bis
zur vollständigen Berührung mit dem Ring des Ports weiter. Am Fahrzeug
befindet sich ein baugleicher Ring, über welchen die Station und der Transporter
fest mit einander verankert werden.
ISS und ATV nach Rendezvous
& Docking
Hinter ATV liegen zwei aufregende
Tage im All. Aber auch einsame. Denn auf der Erde hat, bis auf das Kontroll-Personal,
niemand Notiz davon genommen.
Martin Voigtmann und Sandra
Lobe
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