
Das Weltraumlabor Columbus

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Exklusiv von einem anderen Stern
Komische Wesen vom Blauen Planeten
„Was machen die komischen Wesen denn da wieder Seltsames?? Müssen
die ihren Müll jetzt schon in den Weltraum auslagern?“
Das muß ich mir einmal genauer ansehen. Da sind sogar noch Lebensformen
drin in dem Ding! Die drücken ständig auf Schalter, und viele Lampen
leuchten an Bord. Anscheinend bemühen sie sich tatsächlich, den skurrilen
Apparat am Laufen zu halten. Normale Lebewe-sen auf Kohlenstoffbasis können
im freien Weltraum nicht überleben, sicherlich auch diese urzeitlichen,
lediglich zu 80% aus Wasser bestehenden Fleischlinge nicht. Deswegen müssen
sie wohl dafür sorgen, dass diese Geräte sie mit Atemluft und Wasser
versorgen. Aber wie es aussieht, werden ihre Wasservorräte nicht mehr lange
reichen. Obwohl die Wesen mit ihren Vorräten intelligent umzugehen scheinen.
Sogar aus den Flüssigkeiten, welche die Astronau-ten ausscheiden, wird
durch ein ausgeklügeltes System klares Frischwasser zurück gewonnen.
Auch wenn mir der Gedanke nicht gefällt, - eine pfiffige Idee!
Aber was ist das plötzlich? Das Ding kommt näher! Will es mich etwa
rammen?
Logbucheintrag, 34Gurk 347?: Die Situation ist entschärft, der Komplex
ist an mir vorbei geflogen. Glück gehabt! Es hat lediglich eine fliegende
Blechdose an der Struktur angedockt, um diese mit einer Art primitiven Triebwerks
in eine höhere Umlaufbahn zu befördern. Of-fensichtlich ist den Raumfahrern
viel daran gelegen, den Komplex vor dem unkontrollierten Rücksturz auf
den blauen Planeten zu bewahren. Gleichzeitig scheinen solche Raumschiffe die
Struktur regelmäßig mit frischem Wasser, Ersatzteilen und Nahrung
zu versorgen. Fol-gende uns unbekannte Schriftzeichen, die das Schiff auf der
Außenhülle trägt, sollten an die Dechiffrierabteilung weitergeleitet
werden:
esa (vermutlich die Betreiberorganisation) und ATV (wahrscheinlich die technische
Bezeichnung des Gerätes). Logbucheintrag Ende
Auf dem einen Modul, das mit Columbus (wohl die Bezeichnung für diesen
Teil des Komplexes) und dem geheimnisvollen esa beschriftet ist, herrscht gerade
besondere Betriebsamkeit. Die elektrische Leistungsaufnahme in diesem Modul
steigt erheblich. An einer Stelle werden augenscheinlich Metalle verschmolzen,
und es wird beobachtet, wie sie sich in der Schwerelosigkeit zu besonderen Legierungen
verbinden. An einem anderen Ort wachsen Proteinkristalle langsam heran, vielleicht
um mit ihnen neue Wirkstoffe für die Heilkunde zu testen.
Offensichtlich handelt es sich bei den Wesen um Forscher! Gerade ist es ihnen
gelungen, ein Material herzustellen, das auch unsere Wissenschaftler erst in
jüngster Zeit entdeckt haben. Sie interessieren sich anscheinend besonders
für neuartige Werkstoffe und außerdem für Me-dizin, Biologie,
Flüssigkeitsphysik und auch das Verhalten ihrer eigenen Körper im
Welt-raum. Am Boden werden ihnen die hier gewonnenen Erkenntnisse bestimmt von
Nutzen sein.
Logbucheintrag, 37Gurk 288?: Ich habe festgestellt, daß es sich bei der
komischen Struktur um eine Raumstation handelt. Sie steht in ständigem
Funkkontakt mit einer Bodenstation, die sich offenbar in der Nähe eines
größeren Gebirges auf der Nordhalbkugel des blauen Planeten befindet.
Per Funkpeilung habe ich die genauen Koordinaten der Bodenstation ermittelt
und werde ihr einen Besuch abstatten. Laut Computeranalyse müsste mein
Raumschiff den Eintritt in die Atmosphäre heil überstehen. Logbucheintrag
Ende
Bericht von der Planetenoberfläche: Ich habe den Eintritt überstanden.
Auch hier am Boden geht es recht hektisch zu. Lebewesen derselben Art wie auf
der Raumstation, aber mit vier-eckigen Augen, sitzen vor großen Anzeigegeräten,
die ihnen Messergebnisse von der Raum-station übermitteln. Sie überwachen
alle Funktionen, organisieren neue Versorgungsflüge und geben Hilfestellung
bei Pannen und bei komplizierten Manövern. Dort wird auch der Fort-gang
eines Experiments genau koordiniert und kontrolliert.
Fazit/Missionsbericht: Wie Ihnen allen bekannt sein dürfte, hatte sich
mein Auftraggeber, der Große Grüne Raumkommandant des Quadranten
Zucchini-XY, sehr besorgt über die Fra-ge nach dem Sinn und Wesen der um
den Blauen Planeten kreisenden Metallstruktur geäu-ßert. Er fürchtete,
sie könne den interplanetaren Umweltschutz gefährden. Diese Sorge
stellte sich jedoch als unbegründet heraus: Offensichtlich ist dieser Apparat
ein ausgeklügeltes Welt-raumsystem, vollgestopft mit Forschungseinrichtungen
und Lebenserhaltungssystemen. Diese komischen Wesen vom Blauen Planeten, die
etwa zehnmal so groß sind wie wir, haben sich immerhin weit genug entwickelt,
um fast völlig vom Mutterplaneten abgenabelt monatelang im Weltall am Leben
zu bleiben. Anscheinend sind sie gerade dabei, den Aufbruch ins Welt-all zu
wagen. Vielleicht werden sie später neue Himmelskörper besiedeln.
Wenn ihnen ihre Regierungen genug Geld zur Verfügung stellen und sie sich
nicht von Rückschlägen entmuti-gen lassen, könnten sie bei ihrer
Entwicklungsfähigkeit und Kreativität schon bald unser jet-ziges technologisches
Niveau erreichen. Aber natürlich werden sich auch die Zucchinis wei-terentwickeln,
so dass wir unseren technischen Vorsprung werden wahren können. Mögen
die Zucchinis die Größten bleiben, und mögen die Sonnenstrahlen
mit uns sein!
Autoren: Gerrit C. Lehmann und Lennart S. Lutz aus Hamburg
Besonderen Dank an Sandra Giese für den Zucchini-Alien und das tolle Foto!
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| Exklusiv von einem anderen Stern. Foto: EADS SPACE Transportation |
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