EADS Astrium
 You are here: Home > Columbus Logbuch
Columbus Logbuch

Das Weltraumlabor Columbus

Logbuch
Kaptitel 1
Kaptitel 2
Kaptitel 3
Kaptitel 4
Kaptitel 5
Kaptitel 6
Kaptitel 7
Kaptitel 8
Kaptitel 9
Kaptitel 10
Kaptitel 11
Kaptitel 12
Kaptitel Extra

Bremen

Hessen

Sachsen

Nordrhein-Westfalen

Thüringen

Hamburg

Berlin

Niedersachsen

Baden-Württemberg

Saarland

Schleswig-Holstein

Mecklenburg-Vorpommern

And the winner is...

Pressespiegel

Kontakt

Print

April 2012 – Mission Completed

Es ist der 25. April 2012, 15.25 Uhr.
Von der Aussichtsplattform habe ich einen exzellenten Blick: Auf die Welt und die unendlichen Weiten des Weltalls. Noch einen Tag bin ich nun auf der Internationalen Raumstation. Meine Arbeit in dem in Bremen gefertigten Weltraumlabor Columbus geht zu Ende. Da werden viele Erinnerungen an meine ersten Trainingsstunden wach.
Ohne dieses spezielle Training wäre die Arbeit an Bord später praktisch unmöglich gewesen.
Im Weserastronautencenter in Köln und zum größten Teil in Houston bin ich auf meine Mission vorbereitet worden. Da gab es schon allerhand spannende Situationen, bei denen viel Kreativität und schnelles präzises Denken gefordert war.
Am besten kann ich mich noch an einige heikle Ereignisse erinnern. So wurde ich zum Beispiel einmal von unserem Ausbilder vor folgende Situation gestellt: Ich sollte in einer Übung unter Wasser aus einem Modell heraustauchen; dieses ähnelt dem Columbusmodul. Mir fiel sofort auf, dass es unter Wasser viel schwieriger ist, die gestellten Aufgaben auszuführen, da man sich dort nur sehr langsam und unkoordiniert bewegen kann. Die ganze Ausrüstung wurde in das Wasserbecken verfrachtet, um das Arbeiten in der Schwerelosigkeit zu simulieren. Zuerst hatte ich leichte Probleme, die Druckschleuse zu öffnen, doch das Schwierigste hatte ich noch vor mir. Denn nun galt es, eine Fußraste an der Außenwand des Columbusmodells zu befestigen. Es war eine große Herausforderung, in dem Raumanzug mit klobigen Handschuhen zu arbeiten.
Von der Aussichtsplattform aus erkenne ich jetzt Europa - winzig klein, wie vorhin, und 40.000 km entfernt. Nicht selbstverständlich, dass alles ohne gravierende Probleme verlaufen ist. Für den Fall der Fälle, wären wir auf ganz andere Herausforderungen vorbereitet. Sogar eine Standard- Blinddarmoperation muss jeder Astronaut durchführen können. Theoretisch.
Doch bevor ich mit der missionsbezogenen Ausbildung beginnen konnte, war ein großer logistischer Aufwand notwendig. Von der ersten Definition einer neuen Komponente bis zum Shuttle - Start vergehen Jahre. Eine Planungsphase teilt sich in so genannte "Increments" auf, mit denen die Planung für ein Jahr beschrieben wird; es ist einfacher, in kurzen Abständen zu planen. Ziel war es, ein beschädigtes Meteoritenschild auszutauschen, da sonst Komplikationen aufgetreten wären.
Richtig ernst wurde es erst in der "heißen Phase". Das Meteoritenschild wurde nun getestet und geprüft; der Start war nach Plan nur noch ein Jahr entfernt. Jeder Beteiligte stand spätestens von da an unter Zeitdruck. Außerdem musste eine neue Software geschrieben werden. Kurz vor dem Start begann die "Panik Phase" - sie wird ihrem Namen wirklich gerecht. Der Start war nur noch drei Monate entfernt. Die NASA überprüfte pedantisch unsere Arbeit, sie fand jedoch nur noch kleine Fehler, so dass unsere Teams aufatmen konnten. Endlich konnte die Mission losgehen!
Nach zwei Tagen Transfer zur Raumstation konnte ich dann meine Reparaturarbeiten am Columbus aufnehmen. Jetzt ging erst so richtig los. Wie in meinem Training erlernt, musste ich nun das Meteoritenschild außerhalb des Columbusmoduls austauschen. Mir gelang dies ohne größere Probleme. Das Training hatte sich bezahlt gemacht.
Nicht immer war den technischen Tücken so rasch beizukommen. Wie vor einem Monat, als das Computersystem plötzlich abstürzte. Aus gutem Grund gibt es an Bord von Columbus zwei Systeme, die parallel zueinander laufen. Wenn eines von beiden abstürzt, übernimmt das andere System sofort die Aufgaben des gestörten Computers. Zur schnellen Fehlerbehebung ist das Netzwerk der Columbus auch im "Cleanroom" vorhanden; dort wurde Columbus gefertigt. Hier sucht das Bodenpersonal den Fehler, um meine Kollegen und mich bei unserer Arbeit zu entlasten. Das lief beeindruckend.
Die letzten sechs Monate werde ich nie vergessen. Morgen geht es wieder zurück auf die Erde, und meine Mission in dem Columbus-Weltraumlabor geht zu Ende. Ich freue mich schon jetzt auf meine Familie, auf eine prasselnde Dusche, auf ein saftiges Steak - und auf die Olympischen Spiele in Leipzig.

von Gunnar Rathje & Christian Fründt

Training bei der NASA im Wasserbecken. Foto: NASA




Astronaut im Weltraum. Foto: NASA
© 2008 EADS Astrium | Google Search | Legal Notice and Imprint | General Contact