
Das Weltraumlabor Columbus

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April 2012 – Mission Completed
Es ist der 25. April 2012, 15.25 Uhr.
Von der Aussichtsplattform habe ich einen exzellenten Blick: Auf die Welt und
die unendlichen Weiten des Weltalls. Noch einen Tag bin ich nun auf der Internationalen
Raumstation. Meine Arbeit in dem in Bremen gefertigten Weltraumlabor Columbus
geht zu Ende. Da werden viele Erinnerungen an meine ersten Trainingsstunden
wach.
Ohne dieses spezielle Training wäre die Arbeit an Bord später praktisch
unmöglich gewesen.
Im Weserastronautencenter in Köln und zum größten Teil in Houston
bin ich auf meine Mission vorbereitet worden. Da gab es schon allerhand spannende
Situationen, bei denen viel Kreativität und schnelles präzises Denken
gefordert war.
Am besten kann ich mich noch an einige heikle Ereignisse erinnern. So wurde
ich zum Beispiel einmal von unserem Ausbilder vor folgende Situation gestellt:
Ich sollte in einer Übung unter Wasser aus einem Modell heraustauchen;
dieses ähnelt dem Columbusmodul. Mir fiel sofort auf, dass es unter Wasser
viel schwieriger ist, die gestellten Aufgaben auszuführen, da man sich
dort nur sehr langsam und unkoordiniert bewegen kann. Die ganze Ausrüstung
wurde in das Wasserbecken verfrachtet, um das Arbeiten in der Schwerelosigkeit
zu simulieren. Zuerst hatte ich leichte Probleme, die Druckschleuse zu öffnen,
doch das Schwierigste hatte ich noch vor mir. Denn nun galt es, eine Fußraste
an der Außenwand des Columbusmodells zu befestigen. Es war eine große
Herausforderung, in dem Raumanzug mit klobigen Handschuhen zu arbeiten.
Von der Aussichtsplattform aus erkenne ich jetzt Europa - winzig klein, wie
vorhin, und 40.000 km entfernt. Nicht selbstverständlich, dass alles ohne
gravierende Probleme verlaufen ist. Für den Fall der Fälle, wären
wir auf ganz andere Herausforderungen vorbereitet. Sogar eine Standard- Blinddarmoperation
muss jeder Astronaut durchführen können. Theoretisch.
Doch bevor ich mit der missionsbezogenen Ausbildung beginnen konnte, war ein
großer logistischer Aufwand notwendig. Von der ersten Definition einer
neuen Komponente bis zum Shuttle - Start vergehen Jahre. Eine Planungsphase
teilt sich in so genannte "Increments" auf, mit denen die Planung
für ein Jahr beschrieben wird; es ist einfacher, in kurzen Abständen
zu planen. Ziel war es, ein beschädigtes Meteoritenschild auszutauschen,
da sonst Komplikationen aufgetreten wären.
Richtig ernst wurde es erst in der "heißen Phase". Das Meteoritenschild
wurde nun getestet und geprüft; der Start war nach Plan nur noch ein Jahr
entfernt. Jeder Beteiligte stand spätestens von da an unter Zeitdruck.
Außerdem musste eine neue Software geschrieben werden. Kurz vor dem Start
begann die "Panik Phase" - sie wird ihrem Namen wirklich gerecht.
Der Start war nur noch drei Monate entfernt. Die NASA überprüfte pedantisch
unsere Arbeit, sie fand jedoch nur noch kleine Fehler, so dass unsere Teams
aufatmen konnten. Endlich konnte die Mission losgehen!
Nach zwei Tagen Transfer zur Raumstation konnte ich dann meine Reparaturarbeiten
am Columbus aufnehmen. Jetzt ging erst so richtig los. Wie in meinem Training
erlernt, musste ich nun das Meteoritenschild außerhalb des Columbusmoduls
austauschen. Mir gelang dies ohne größere Probleme. Das Training
hatte sich bezahlt gemacht.
Nicht immer war den technischen Tücken so rasch beizukommen. Wie vor einem
Monat, als das Computersystem plötzlich abstürzte. Aus gutem Grund
gibt es an Bord von Columbus zwei Systeme, die parallel zueinander laufen. Wenn
eines von beiden abstürzt, übernimmt das andere System sofort die
Aufgaben des gestörten Computers. Zur schnellen Fehlerbehebung ist das
Netzwerk der Columbus auch im "Cleanroom" vorhanden; dort wurde Columbus
gefertigt. Hier sucht das Bodenpersonal den Fehler, um meine Kollegen und mich
bei unserer Arbeit zu entlasten. Das lief beeindruckend.
Die letzten sechs Monate werde ich nie vergessen. Morgen geht es wieder zurück
auf die Erde, und meine Mission in dem Columbus-Weltraumlabor geht zu Ende.
Ich freue mich schon jetzt auf meine Familie, auf eine prasselnde Dusche, auf
ein saftiges Steak - und auf die Olympischen Spiele in Leipzig.
von Gunnar Rathje & Christian Fründt
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| Training bei der NASA im Wasserbecken. Foto: NASA |
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| Astronaut im Weltraum. Foto: NASA |
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