
Das Weltraumlabor Columbus

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And the winner is...

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Was der Computer alles weiß...besonders über den Nutzen
der Raumfahrt im Gesundheitlichenbereich
Ein Mensch träumt, dass er als Astronaut einige Zeit im Weltraum verbringt
und stößt auf Probleme, die vor allem aufgrund der Schwerelosigkeit
entstehen. Um diese zu lösen befragt er seinen Bordcomputer. Dieser erklärt:
"Es ist mir natürlich bekannt, dass die Schwerelosigkeit negative
Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen hat. Er leidet schon nach kurzer
Zeit im All unter Gleichgewichtsstörungen und damit verbundener Übelkeit,
unnatürlicher Flüssigkeitsverteilung im Körper, Muskelabbau und
Knochenabbau. Genau das passiert in deinem Körper auch. Im Moment merkst
du davon vielleicht noch nicht so viel, aber spätestens, wenn du auf die
Erde zurückkommst bemerkst du diese Veränderungen. Was du allerdings
schon gespürt haben wirst, sind deine Rückenschmerzen und, wenn du
dich gemessen hast, wirst du festgestellt haben, dass du zwei Zentimeter größer
geworden bist. Auf der Erde werden die Rückenschmerzen nachlassen und du
wirst wieder zwei Zentimeter kleiner werden, aber du wirst nicht mehr aufrecht
gehen können und Herz- Kreislaufprobleme haben. Dies wird aber nicht zwangsläufig
der Fall sein, denn es wurde bereits in diesen Bereichen geforscht und Trainingsmethoden
dagegen entwickelt, mit deren Hilfe du Muskelschwund und Kreislaufstörungen
entgegenwirken kannst.
Diese Trainingsmethoden musst du im Weltraum anwenden.
So solltest du, alleine um dem Muskelabbau entgegen zu wirken, jeden Tag mindestens
zwei Stunden lang trainieren. Mindestens 70% deiner Muskeln sind für den
aufrechten Gang zuständig. Darunter ist die Bein- und Rückenmuskulatur,
die du, weil du dich in der Schwerelosigkeit nur mit den Armen fortbewegst,
kaum beanspruchst. Deshalb musst du beim Training besonders auf diese Muskelpartien
achten. Die Beine trainierst du wie in einem Fitnessstudio auf dem Laufband.
Du wirst dabei mit Gummibändern am Gerät fixiert, um einen Zustand
herzustellen, der dem auf der Erde ähnlich ist. Ohne die Gummibänder
würdest du sonst vom Laufband abheben.
Du könntest auch einen Gummianzug anziehen, sodass die Muskeln bei deinen
Bewegungen stärker beansprucht werden. Weil er sehr unbequem ist, werden
Laufbänder aber bevorzugt.
Mit deinem Knochenabbau musst du dich irgendwie abfinden, weil es für
den Weltraum keine geeigneten Gegenmaßnahmen gibt. Es wurde zwar ein Rütteltisch
entwickelt, der dem Knochenabbau durch Vibration entgegenwirkt, aber auf der
Raumstation ist er nicht verwendbar, weil durch das Kräftegleichgewicht
die ganze Station wackeln würde. Allerdings wurden, durch die Feststellung
von Knochenabbau unter Schwerelosigkeit, nützliche medizinische Forschungen
angeregt. Dabei wurde zum Beispiel erkannt, dass der Knochenabbau unter Schwerelosigkeit
der gleiche Vorgang wie bei der Alterserscheinung Osteoporose auf der Erde ist.
Mit der Erkenntnis, dass Osteoporose keine Krankheit ist, wurde die Suche nach
Krankheitserregern eingestellt.
Du siehst, dass dir die Schwerelosigkeit also nicht nur Probleme bereitet, sondern
für die Menschen auf der Erde nützliche Entwicklungen und Fortschritte
mit sich bringt.
Gegen deine Gleichgewichtsstörungen kann bisher leider noch nichts unternommen
werden. Man kann dir im Moment nur Orientierung geben, indem die Wände
unterschiedlich gefärbt und Schränke nach einem speziellen System
eingebaut sind. Die durch deine Gleichgewichtsstörungen verursachte Übelkeit
kannst du jedoch mit Medikamenten beheben, die auch auf der Erde gegen Reiseübelkeit
verwendet werden.
Man hat allerdings extra für die Raumfahrt einen so genannten "Video
Oculographen" erfunden, mit dem der Zusammenhang zwischen den Bewegungen
und Reaktionen der Augen und dem Gleichgewichtssinn im Innenohr untersucht werden
kann. Mit Hilfe der Ergebnisse wird nach Maßnahmen gegen deine Gleichgewichtsstörungen
geforscht.
Dieses Gerät wird auch auf der Erde eingesetzt um festzustellen, ob leicht
auftretende Übelkeit auf einen Defekt im Innenohr oder im Gehirn zurückzuführen
ist. Außerdem findet es noch seine Anwendung in vielen Bereichen, wie
zum Beispiel bei der Verkehrssicherheit und Gestaltung von Autoamaturenbretter.
So werden Verkehrsschilder und Ampeln danach ausgerichtet, wo der Autofahrer
in bestimmten Situationen zuerst hinschaut, was mit dem Video Oculographen festgestellt
wird. Dadurch wird die Unfallsrate reduziert. Seit 2001 werden jährlich
70 solcher Geräte hergestellt, verkauft und in diesem Bereich angewendet.
Auch die Bekämpfung deiner Rückenschmerzen steckt noch mitten in
der Forschung. Es ist schwer vorstellbar, dass ein Astronaut Rückenschmerzen
hat, weil er ja keine Last zu tragen hat. Aber genau damit hat es zu tun. Weil
sich kein Last auf seiner Wirbelsäule befindet, dehnen sich die Bandscheiben
zwischen den Wirbeln aus, schieben diese auseinander und verursachen durch Druck
auf die Nerven Schmerzen. Damit hängt auch zusammen, dass du zwei Zentimeter
größer geworden bist. Du kannst zwar Schmerzmittel nehmen, aber gegen
den Effekt an sich lässt sich bisher noch nichts unternehmen. Um die Entwicklung
der Wirbelsäule in der Phase der Schwerelosigkeit zu überprüfen,
werden Elektroden entlang der Wirbelsäule aufgeklebt und die Abstände
der Frequenzen gemessen. Damit kann man die Veränderung der Wirbelsäule
besser verfolgen. Dieses so genannte "Movement Monitor sonoSens" wurde
für die Raumfahrt entwickelt, wird jetzt aber auch für orthopädische
Untersuchungen auf der Erde benutzt. Anwendung findet es hier zum Beispiel bei
der Formgebung von Autositzen. Es wurde mit Hilfe von diesem Gerät festgestellt
welche Sitzform für den Rücken am besten ist. Diese Forschungsmethode
ist inzwischen so verbreitet, dass das Movement Monitor sonoSens jährlich
100 Mal verkauft wird.
Du hast wahrscheinlich schon bemerkt, dass deine Beine ziemlich blass aussehen,
dein Kopf dagegen rot ist. Das liegt, wie du dir vermutlich denken kannst, daran,
dass dein Körper noch an die Schwerkraft an der Erde gewöhnt ist und
das Herz das Blut nach oben pumpen muss. Erst nach einiger Zeit richtet sich
der Blutkreislauf ein und das Herz beginnt weniger stark zu pumpen. Damit der
Herzmuskel aber nicht kleiner wird und du auf der Erde nicht ohnmächtig
wirst, solltest du die speziell dafür entwickelte Unterdruckhose regelmäßig
anziehen. Dies ist eine Anlage, bei der unterhalb des Bauchnabels ein Unterdruck
erzeugt wird, wodurch Schwerkraft simuliert wird. Das Blut wird dadurch in den
Unterkörper gesaugt und das Herz muss nun, wie auf der Erde auch, kräftig
pumpen, um das Blut aus den Beinen in den Kopf zu pumpen. Dieses auch LBNP (Lower
Body Negative Pressure) genannte Gerät wurde übrigens bei der EADS
in Bremen entwickelt. Auch diese Anlage findet auf der Erde Anwendungsbereiche,
wie zum Beispiel bei Langzeitkranken, um deren Blutkreislauf anzukurbeln. Es
wird noch untersucht, ob es auch gegen Diabetikerfüße angewandt werden
sollte. In der Kosmetik wird Unterdruck auch gegen Orangenhaut eingesetzt, obwohl
nicht sicher ist, ob es wirklich hilft.
Da jedes Kilogramm Last mindestens 20.000 US-Dollar kostet, wurde verstärkt
daran gearbeitet, sämtliche Geräte möglichst klein und leicht
zu halten. Da diese Geräte von Astronauten während ihren Arbeiten
getragen werden müssen, um ihre Gesundheitszustände von der Erde aus
kontrollieren zu können, wurde großer Wert auf die Mobilität
der Geräte gelegt. Diese kleinen mobilen Geräte lassen sich natürlich
auch auf der Erde vorteilhaft anwenden, wie das Augeninnnendruckmessgerät
Ocuton S. Augeninnendruck führt zu Augenkrankheiten. Um dem vorzubeugen
sollte der Augeninnendruck regelmäßig gemessen werden. Dafür
musste man früher ins Krankenhaus oder zum Augenarzt. Da das Messgerät
für die Raumfahrt minimiert wurde, kann man jetzt die Messung auch zu Hause
durchführen. Praktisch, nicht?
Weil die Astronauten von der Erde aus ständig kontrolliert und medizinisch
beraten werden müssen, kommt es zu einer ständigen Verbesserung der
Telemedizin.
Die Herstellung von Medikamenten wurde dagegen noch nicht von der Forschung
im Weltall beeinflusst.
Du siehst, dass dir die Schwerelosigkeit zwar zu schaffen macht, sich die Erfahrungen,
die man mit ihr gemacht hat, aber großen Nutzen in der Gesundheitsforschung
haben Aber das habe ich dir ja gerade alles erklärt…"
Der Computer wurde ganz leise und fing an zu leiern. Gehen jetzt alle Systeme
kaputt? Stürz ich ab? Und wieso ist da eine Pfütze? Das geht doch
gar nicht! Und was machen die Scherben da auf dem Boden. Auf dem Boden? Genau!
Mir ist doch ein Wasserglas heruntergefallen und danach war plötzlich alles
schwarz. Schade, dass es nur ein Traum war. Aber vielleicht war es ja auch Wirklichkeit.
Wer weiß...
Merle Köhn und Eva Kröner
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| Die Internationale Raumstation ISS. Foto: ESA |
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